Die Quaggamuschel in Bayern
Die Quaggamuschel (Dreissena rostriformis bugensis) stammt ursprünglich aus dem Schwarzmeer- und Kaspischen Meerraum. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten invasiven Süßwasserarten weltweit und breitet sich in europäischen Seen, Flüssen und Kanälen weiter aus. In vielen Gewässern erreicht sie sehr hohe Bestandsdichten und verändert ökologische Prozesse vom Gewässergrund bis zur Fischgemeinschaft.
Steckbrief
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Auf den ersten Blick sehen sich Quagga- und Zebramuschel sehr ähnlich. Beide gehören zur Familie der Dreikantmuscheln (Dreissenidae), stammen ursprünglich aus dem Schwarzmeer-Kaspischen Raum und haben sich in Europa und Nordamerika erfolgreich ausgebreitet. Tatsächlich tritt die Quaggamuschel häufig in Gewässern auf, die zuvor bereits von der Zebramuschel besiedelt wurden. In vielen Fällen wird die Zebramuschel später sogar weitgehend von der Quaggamuschel verdrängt.
Ähnliche Verwandte – unterschiedliche Strategien
Während die Zebramuschel bevorzugt harte Oberflächen wie Steine, Spundwände oder Muschelschalen besiedelt, kommt die Quaggamuschel auch auf weichen Sedimenten und in deutlich größeren Wassertiefen vor. Dadurch kann sie Lebensräume nutzen, die für die Zebramuschel nur eingeschränkt geeignet sind.
Woran erkennt man die Unterschiede?
Typische Merkmale der Zebramuschel sind:
| Typische Merkmale der Quaggamuschel sind:
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In der Praxis sind diese Merkmale jedoch nicht immer eindeutig. Beide Arten zeigen eine hohe Variabilität in Form, Größe und Färbung. Eine unserer Untersuchungen (s. Beggel et al. 2015) ergab, dass selbst erfahrene Fachleute anhand äußerer Schalenmerkmale durchschnittlich etwa 17 % der Tiere falsch bestimmten. Bei einzelnen Bearbeitern lag die Fehlerquote sogar noch höher.
Daher sollten wissenschaftliche Nachweise der Quaggamuschel heute häufig durch genetische Untersuchungen abgesichert werden. Diese ermöglichen eine eindeutige Identifizierung selbst dann, wenn die Schalenform keine sichere Zuordnung zulässt.
Die Quaggamuschel kann in kurzer Zeit sehr hohe Bestandsdichten erreichen und dadurch ökologische Prozesse in Seen und Flüssen nachhaltig verändern. Als effizienter Filtrierer beeinflusst sie Nahrungsnetze, konkurriert mit heimischen Muschelarten und verändert Lebensräume am Gewässergrund.
Die wichtigsten bekannten Wechselwirkungen zwischen invasiven und heimischen Muschelarten sind:
- Konkurrenz um Nahrung
Durch ihre hohe Filtrationsleistung entzieht die Quaggamuschel dem Wasser große Mengen an Algen, Bakterien und organischen Schwebstoffen. Dadurch kann die Nahrungsverfügbarkeit für heimische Muschelarten und andere Filtrierer reduziert werden. - Konkurrenz um Lebensraum
Dichte Muschelbestände können große Bereiche des Gewässergrundes besiedeln und damit den verfügbaren Lebensraum für heimische Muscheln und andere Bodenorganismen einschränken. - Dichte Muschelbestände können große Bereiche des Gewässergrundes besiedeln und damit den verfügbaren Lebensraum für heimische Muscheln und andere Bodenorganismen einschränken.
Bei invasiven Großmuschelarten können Konkurrenz um Wirtsfische und Wechselwirkungen zwischen Larvenstadien die Fortpflanzung heimischer Muschelarten beeinträchtigen. Dies verdeutlicht die Bedeutung invasiver Muschelarten für das gesamte Muschel-Artengemeinschaftsgefüge. - Überwuchs heimischer Muscheln
Muscheln der Gattung Dreissena können sich auf den Schalen heimischer Großmuscheln anheften. Dies erschwert deren Bewegung, Filtrationsleistung und Fortpflanzung und kann ihre Überlebenschancen verringern. - Veränderte Räuber-Beute-Beziehungen
Invasive Arten können direkte und indirekte Auswirkungen auf Nahrungsketten haben, beispielsweise durch veränderte Lebensräume oder die Förderung weiterer invasiver Arten. Dadurch verändern sich langfristig Artenzusammensetzung und ökologische Funktionen im Gewässer.

Die Quaggamuschel besitzt einige Eigenschaften, die ihr einen Vorteil gegenüber der Zebramuschel verschaffen können:
- Besiedlung auch von Weichsedimenten
- Nutzung größerer Tiefenbereiche (bis 250m Tiefe!)
- längere Aktivitäts- und Fortpflanzungsphasen in einigen Gewässern
- hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Umweltbedingungen
- effiziente Filtration auch in nährstoffarmen Gewässern
Deshalb wurde in zahlreichen Seen und Flüssen Europas und Nordamerikas beobachtet, dass die Quaggamuschel innerhalb weniger Jahre große Teile der bestehenden Zebramuschelpopulationen ersetzt oder dominiert.
Kurz gesagt: Die Zebramuschel war vielerorts der erste erfolgreiche Einwanderer – die Quaggamuschel ist häufig der noch erfolgreichere Nachfolger.
Nicht jedes Gewässer reagiert gleichermaßen auf invasive Arten. Intakte und artenreiche Ökosysteme können eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen Invasionen aufweisen. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von biotischer Resistenz.
Mögliche Faktoren sind:
- hohe Bestandsdichten heimischer Arten
- komplexe Nahrungsnetze und Arteninteraktionen
- gut funktionierende ökologische Prozesse
- naturnahe und unveränderte Lebensräume
- hohe biologische Vielfalt
Eine 35-jährige Langzeitstudie von Ozgo et al. (2021) an einem naturnahen Fließgewässersystem in Polen zeigte, dass starke Bestände heimischer Großmuscheln über Jahrzehnte stabil blieben, während die invasive Zebramuschel trotz dauerhaften Vorkommens keine hohe Dominanz erreichte. Dies kann als Beispiel für die natürliche Widerstandsfähigkeit eines funktionierenden Ökosystems gegenüber invasiven Arten gewertet werden.
Der Schutz heimischer Arten und natürlicher Lebensräume stärkt somit nicht nur die Biodiversität, sondern kann auch dazu beitragen, die Auswirkungen invasiver Arten zu begrenzen. Vollständig verhindern lässt sich die Ausbreitung der Quaggamuschel dadurch jedoch nicht. Prävention bleibt deshalb die wichtigste Maßnahme.
Was können wir tun?
Prävention statt Bekämpfung
Ist eine Population einmal etabliert, lässt sie sich meist nicht mehr vollständig entfernen. Deshalb stehen Früherkennung und Vermeidung weiterer Verschleppungen im Mittelpunkt.
Hierbei kann uns die KLAR-Regel helfen:
