Insgesamt konnten dreißig Nachwuchsbodenforschende aus ganz Europa an der Summer School teilnehmen: Hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich, aber auch Schottland, Schweden, Österreich und der Schweiz reisten die Doktorandinnen und Postdoktoranden an. Für manche war dies gar die erste Präsenzveranstaltung seit Beginn der Doktorarbeit. So beflügelte der erste Austausch zu den vielfältigen Arbeitsthemen, wie beispielsweise Heckenpflanzungen, pyrogenen Kohlenstoff oder der Modellierung des organischen Kohlenstoffhaushalts, gleich zu Beginn den wissenschaftlchen Austausch.
Im Anschluss konnten während des Keynote Vortrags von Prof. Dr. Ingrid Kögel-Knabner zahlreiche spannende konzeptionelle Diskussionen zur räumlichen und zeitlichen Dimension der Interakti-onen organischer Substanz mit Mineralen in Böden entfacht werden. Im direkten Anschluss am nächsten Tag konnten alle Teilnehmenden dann während eines ausführlichen Laborrundgangs ei-nen direkten Einblick in unterschiedliche methodische Vorgehensweisen und aktuelle Forschungsansätze am Lehrstuhl für Bodenkunde der TU München gewinnen. Dieser Rundgang konnte durch eine Vorstellung und Diskussion lokaler Bodenprofilgruben und angewandter agrar-wissenschaftlicher Fragestellungen mit Dr. Peter Schad und PD Dr. Martin Wiesmeier entsprechend abgerundet werden.
Eine ganze Reihe an Forschenden der TU München führte die Teilnehmenden in die Details unterschiedlicher bodenwissenschaftlicher Labormethoden ein: Dr. Noelia Garcia-Franco und Christopher Just präsentierten Dichte- und Aggregatfraktionierungsansätze während Dr. Carmen Höschen, Dr. Steffen Schweizer und Dr. Julien Guigue zu räumlichen Analysemöglichkeiten auf der Mikro- und Makroskala vortrugen. Am dritten Tag tauchte Dr. Frederic Rees (ECOSYS, INRAE) mit uns in die faszinierende Welt von Wurzel-Boden Interaktionen ein und wie Kohlenstoff in der Rhizosphäre „geschmuggelt“ wird. Dr. Naoise Nunan (IEES-Paris/CNRS) führte die Teilnehmenden in mehr ökonomische Kosten-Nutzen-Kalkulationen ein, um die Hintergründe bodenmikrobiolgischer Prozesse und den Einfluss von Hotspots besser zu verstehen.
Am vierten Tag zeigte Dr. Stefanie Schulz (Helmholtz Zentrum München) die Rolle von Bodenmikroben für die Produktion von Exo- und Lipopolysacchariden und deren Relevanz im Boden auf. Außerdem wurden die spannenden Möglichkeiten von Metagenom-Analysen in der Bodenkunde diskutiert. Im Anschluss konnte Prof. Dr. Michaela Dippold (Universität Tübingen) aufschlussreich über die bedeutenden Analysemöglichkeiten mittels pflanzlicher und mikrobieller Biomarker und den Einsatz von Isotopenmarkierungen vortragen und aufzeigen wie hiermit die (Stoff-)kreisläufe in Böden besser verstanden werden können.
Am fünften Tag war es dann Zeit zum Hochskalieren der zeitlichen und räumlichen Prozessebenen, was Dr. Pierre Barré (Ecole Normale Supérieure de Paris) durch seinen Vortrag von Bodenkohlenstoffpools und deren dynamische Modellierung eindrücklich vermitteln konnte. In allen Themenblöcken wurden durch interaktive Übungen die besprochenen Prozesse und Methoden nochmal verdeutlicht und viele praktische Tipps zur Datenanalyse vermittelt, beispielsweise zur Analyse von Wurzelbildern, der Modellierung von mikrobiellen Hotspots in R, der Auswertung von DNA und PLFA-Datensätzen sowie der Simulation der Bodenkohlenstoffdynamik mittels AMG Modellierung.
Als Veranstaltungsort mit weit zurückreichendem Einfluss der Bierbraukünste, gab es auch Gelegenheit die an die 20 zählenden vormals vorhandenen Braustätten im heutigen Stadtbild bei einem Stadtrundgang zu entdecken. Am Samstag nach den Vorlesungen und Übungen gab es noch Gelegenheit zum Wiederbeweidungsexperiment der Brunnenkopfalm zu wandern, einem BonaRes Experiment des KIT, der TUM und vielen weiteren Projektpartnern.
Gerade angesichts der momentan häufig eingeschränkten Kommunikation hoffen wir langanhaltende Kontakte zwischen Nachwuchsbodenforschenden ermöglicht zu haben, um den Austausch in der bodenkundlichen Community voranzubringen und abwechslungsreicher zu gestalten. Die #DySOM21 Summer School wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der Kommissionen II und III der DBG. Außerdem haben uns die Deutsch-Französische Hochschule und das Bayerisch-Französische Hochschulzentrum dankenswerterweise kräftig unterstützt.