Inndeiche
Dauer: 2025–2028
Förderung: Verbund Innkraftwerke
Kontakt: Markus Bauer | Josephin Hartmann | Johannes Kollmann
Über
Deiche erfüllen nicht nur die essentielle Funktion des Hochwasserschutzes, sondern sind ein wichtiger Bestandteil grüner Infrastruktur mit ökologischen und gesellschaftlichen Funktionen. Das auf ihnen verbreitete artenreiche Grünland ist häufig von hohem naturschutzfachlichem Wert, vernetzt Lebensräume in der Landschaft und trägt wesentlich zur Naherholung bei.
Um künftig den Hochwasserschutz zu gewährleisten, müssen Deiche erhöht und verbreitert werden. Im Zuge der Baumaßnahmen werden häufig auch naturschutzfachlich wertvolle Biotoptypen, wie beispielsweise artenreiche Flachland-Mähwiesen oder Kalkmagerrasen zerstört. Entsprechend der Kompensationsverordnung müssen diese Lebensräume mindestens in einem vergleichbar guten Zustand wiederhergestellt werden.
Das Projekt Inndeiche zielt darauf ab, nach Deicherhöhungen nicht nur den Verlust von wertvollen Lebensräumen und Arten zu kompensieren, sondern zugleich die Multifunktionalität von Deichen zu optimieren.
Ziel des Projekts ist es, Maßnahmen zu identifizieren, die den Hochwasserschutz und die technische Sicherheit der Deiche gewährleisten, zugleich artenreiche und resiliente Grünlandvegetation fördern, den Pflege- und Mähaufwand durch einen reduzierten Biomasseaufwuchs minimieren und den Wert der Deiche für die Naherholung durch einen hohen Artenreichtum und vielfältige Blühaspekte erhöhen.
In einem kontrollierten Experiment untersuchen wir auf einem Abschnitt von 3 km Länge beidseitig des Inns bei Rosenheim, wie der Einsatz unterschiedlicher Saatmischungen in Abhängigkeit von variierenden Oberbodenmächtigkeiten und Mahdfrequenzen zum Erreichen dieser Multifunktionalität beitragen kann.
Hierzu wurden Saatmischungen aus autochthonem Saatgut aus zwei unterschiedlichen Artenpools zusammengestellt, die typische Arten von Flachland-Mähwiesen beziehungsweise Kalkmagerrasen umfassen. Die Saatmischungen und die damit angestrebten Pflanzengemeinschaften unterscheiden sich hinsichtlich ihrer spezifischen Blattfläche (community-weighted mean SLA). Da die spezifische Blattfläche die Photosyntheseleistung und damit den Biomasseaufwuchs maßgeblich beeinflusst, wird analysiert, ob sich über eine Anpassung dieser funktionellen Pflanzeneigenschaften (traits) eine Reduktion der anfallenden Biomasse und damit des Mähaufwands erzielen lässt.
Weiterhin wird untersucht, inwiefern die Oberbodenmächtigkeit angepasst werden kann, um sowohl die technische Funktion des Bauwerkes zu sichern (geschlossene Grasnarbe und möglichst homogene Durchwurzelung als wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz) als auch möglichst artenreiche, resiliente Pflanzengemeinschaften zu fördern. In der Oberbodenmächtigkeit könnte eine wichtige Stellschraube zur angestrebten Multifunktionalität liegen: Geringmächtige Bodenauflagen können eine verringerte Produktivität fördern und damit potentiell die Artenvielfalt begünstigen und zugleich durch geringeren Biomassezuwachs den Mähaufwand reduzieren.
Die verschiedenen Kombinationen aus angepassten Saatmischungen, Oberbodenmächtigkeit und Mahdregime werden mit Bestandsdeichen sowie mit der gängigen Praxis in Renaturierungsmaßnahmen (Heuübertrag) verglichen. Ziel ist es, Varianten zu identifizieren, die gegenüber der derzeitigen Praxis eine bessere Funktionalität erzielen, indem sie bei vergleichbarer Vegetationsdeckung geringere Biomasse, artenreichere Bestände und durch möglichst vielfältige Blühaspekte einen größeren Naherholungswert aufweisen. Die Ergebnisse sollen in praxistaugliche Empfehlungen für die Wiederanlage von Deichgrünland überführt werden, die sowohl den Anforderungen des Hochwasserschutzes als auch denen des Naturschutzes und der Naherholung gerecht werden.